Edgar Wright wendet sich von der Komödie ab und präsentiert mit Last Night in Soho einen stilvollen, beunruhigenden Horrorfilm. Der Film folgt Eloise Turner (Thomasin McKenzie), einer schüchternen Modestudentin aus dem ländlichen Cornwall, die zum Studium nach London zieht. Von ihrer trendbewussten Mitbewohnerin gemobbt und von der Stadt überfordert, flüchtet Eloise in eine lebhafte Fantasie: Sie träumt von Sandie (Anya Taylor-Joy), einer glamourösen aufstrebenden Sängerin im Soho der 1960er Jahre. Während Eloise tiefer in die Vergangenheit abgleitet, verschwimmt die Grenze zwischen Bewunderung und Besitzergreifung. Der Film kostete 43 Millionen Dollar und spielte weltweit knapp 23 Millionen Dollar ein – eine bescheidene Rendite für einen Film, den Kritiker für seine visuelle Pracht lobten, während sie seine Tonwechsel bemerkten. Wright schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Krysty Wilson-Cairns, die Kameraarbeit stammt von Chung Chung-hoon, bekannt für seine Arbeit an Park Chan-wooks Filmen. Das Ergebnis ist ein neongetränkter Albtraum über Nostalgie, Ehrgeiz und die dunkle Seite des Swinging London der Sechziger.
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PlotSpoilerfrei
Eloise Turner, ein schüchternes junges Mädchen aus Cornwall, hat sich bei ihren Altersgenossen schon immer fehl am Platz gefühlt. Sie lebt bei ihrer Großmutter Peggy, die sie warnt, dass London gefährlich sein kann. Ellie, wie sie genannt wird, träumt davon, Modedesignerin zu werden, und ist besessen vom Stil und der Musik der 1960er Jahre. Als sie am London College of Fashion angenommen wird, zieht sie trotz der Bedenken ihrer Großmutter voller Eifer in die Hauptstadt.
London überwältigt Ellie sofort. Der Lärm, die Menschenmassen und die Grausamkeit ihrer neuen Mitbewohnerin Jocasta und ihrer Clique lassen sie sich isoliert fühlen. Jocasta verspottet Ellies Vintage-Kleidung und ihr naives Auftreten. Außerstande, damit umzugehen, zieht Ellie aus dem Wohnheim aus und mietet ein kleines möbliertes Zimmer in einem charmanten alten Stadthaus, das der strengen, aber beschützenden Ms. Collins gehört. Das Zimmer ist mit Erinnerungsstücken aus den 1960ern dekoriert, und Ellie fühlt sich sofort mit ihm verbunden.
In dieser Nacht träumt Ellie lebhaft. Sie wird ins Soho der 1960er Jahre versetzt, wo sie eine atemberaubende junge Frau namens Sandie beobachtet. Sandie ist selbstbewusst, glamourös und ehrgeizig, sie will eine berühmte Sängerin werden. In diesen Träumen erlebt Ellie Sandies Welt durch deren Augen, spürt ihre Emotionen und sieht ihr Leben in schillernden Neon-Details entfalten. Ellie beginnt, für diese Träume zu leben, nutzt sie als Inspiration für ihre Modedesigns und als Flucht aus ihrem elenden Wachleben.
Aber die Träume nehmen eine dunkle Wendung. Sandie trifft Jack, einen charmanten Mann, der ihr verspricht, ihre Karriere zu fördern. Jack führt Sandie in den schmutzigen Untergrund des Soho-Nachtlebens ein, wo sie gezwungen wird, für ein Netzwerk missbräuchlicher Männer als Prostituierte zu arbeiten. Ellie wird Zeugin, wie Sandies Träume zerschellen, während sie ausgebeutet, geschlagen und gefangen gehalten wird. Die glamouröse Fantasie der 1960er wird zu einem Albtraum aus Frauenfeindlichkeit und Gewalt. Ellies Träume werden zunehmend gewalttätiger und aufdringlicher und dringen in ihre Wachstunden ein. Sie beginnt, geisterhafte, groteske Männergestalten zu sehen, die sie verfolgen, und die Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmt gefährlich.
Verzweifelt auf der Suche nach Antworten, untersucht Ellie die wahre Geschichte von Sandie und den Männern, die sie zerstörten. Sie erfährt, dass Sandie eine reale Person war, die in den 1960er Jahren unter mysteriösen Umständen starb. Ellie wird überzeugt, dass Sandies Geist sich nach Gerechtigkeit sehnt und dass der Mörder noch lebt. Mit Hilfe von John, einem netten Kommilitonen, der in sie verliebt ist, versucht Ellie, die Wahrheit aufzudecken, bevor der Albtraum sie vollends verschlingt. Der zentrale Konflikt wird Ellies Kampf, ihren Verstand zu bewahren, während sie tiefer in die traumatische Vergangenheit eines rachsüchtigen Geistes hineingezogen wird.
Last Night in Soho ist ein visuell atemberaubender und ambitionierter psychologischer Horrorfilm, der Edgar Wrights stilistische Finesse und starke Hauptdarstellerleistungen zeigt, aber sein unausgeglichener Ton und der wirre dritte Akt hindern ihn daran, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Die handwerkliche Qualität und emotionale Ambition des Films werden weithin gelobt, während seine narrative Umsetzung die Kritiker spaltet.