“Mr. Kitanos Stil ist so trocken, dass er zu einer Art Poesie wird. Die Gewalt ist plötzlich und schockierend, aber die ruhigen Momente sind noch eindringlicher.”
Janet Maslin
The New York Times
1993 lieferte Takeshi Kitano, in Japan bereits als Komiker und TV-Moderator berühmt, einen Yakuza-Film ab, der sich wie nichts anderes anfühlte. Sonatine beginnt mit einem Auftragskiller, der ein Opfer in einem Parkhaus ersticht, und schneidet dann zu einer Kinderzeichnung. Dieser tonale Schock definiert den Film. Kitano spielt Murakawa, einen müden Gangster, der nach Okinawa geschickt wird, auf eine Mission, die nach einer Falle riecht. Er bringt eine kleine Crew mit: den stoischen Uechi, den aufbrausenden Ryoji und den stillen Ken. Was als routinemäßige Vermittlung beginnt, verwandelt sich in einen Hinterhalt, der die Männer zwingt, sich an einem abgelegenen Strand zu verstecken. Dort graben sie Löcher, schießen Feuerwerkskörper ab und spielen mit einem Wasserball. Die Gewalt ist plötzlich und schockierend. Die Stille ist noch kraftvoller.
Kitano führte Regie, schrieb das Drehbuch und schnitt den Film selbst, basierend auf einem Skript, das er in zwei Wochen niederschrieb. Das Budget war winzig, etwa 10 Millionen Yen, also nutzte er natürliches Licht und drehte viele Szenen in einer einzigen Einstellung. Joe Hisaishi, später berühmt für seine Studio-Ghibli-Soundtracks, komponierte einen minimalistischen Klavier-Soundtrack, der die emotionale Zurückhaltung des Films widerspiegelt. Zum Cast gehört Aya Kokumai, ein ehemaliges Model ohne Schauspielerfahrung, als Miyuki, eine Frau, die sich den Gangstern am Strand anschließt. Kitanos regelmäßige Mitarbeiter Susumu Terajima und Ren Osugi füllen die Unterweltrollen. Sonatine wurde 1994 in Cannes uraufgeführt, wo es den Internationalen Kritikerpreis gewann und eine Nominierung für die Goldene Palme erhielt. Es spielte weltweit nur 58.834 US-Dollar ein, fand aber auf Heimvideo ein treues Publikum.
Der Filmtitel bezieht sich auf ein kurzes, leichtes Musikstück, eine Sonatine. Diese Struktur spiegelt die Geschichte wider: eine kurze, schöne Pause vor der unvermeidlichen Gewalt. Kitanos charakteristische blau-graue Palette, sein todernster Humor und seine Faszination für den plötzlichen Tod nehmen hier Gestalt an. Sonatine ist der künstlerische Höhepunkt seines Yakuza-Zyklus, ein Werk, das Filmemacher wie Quentin Tarantino und Park Chan-wook beeinflusste. Das British Film Institute setzte es auf Platz 15 seiner Liste der größten japanischen Filme aller Zeiten.
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Aniki Murakawa ist schon so lange Yakuza-Vollstrecker in Tokio, dass die Gewalt zur Routine geworden ist. Er will raus. Aber als sein Boss, das Oberhaupt der Murakawa-Familie, ihn nach Okinawa befiehlt, um einen Streit zwischen zwei örtlichen Banden zu schlichten, kann er nicht ablehnen. Murakawa wählt vier Männer für die Reise aus: Ken, einen stillen Vollstrecker; Ryoji, einen hitzköpfigen jungen Punk; Uechi, einen loyalen Veteranen; und den nervösen Kitajima. Sie lassen die neonbeleuchteten Straßen Tokios hinter sich und fahren in die feuchte, unbekannte Insel.
In Naha trifft Murakawa Katagiri, den örtlichen Boss, und spürt sofort, dass etwas nicht stimmt. Der Streit betrifft ein mächtiges Festland-Syndikat, und die Bedingungen sind vage. Murakawas Instinkt sagt ihm, dass dies eine Falle ist. In dieser Nacht greift ein Attentäter das Hotel an, in dem die Tokioter Männer wohnen. Ken wird verwundet. Murakawa tötet den Auftragskiller. Die Gruppe erkennt, dass ihre eigene Familie sie zum Sterben ausgesetzt hat.
Sie fliehen zu einem abgelegenen Strandhaus, einer kleinen Holzkonstruktion mit Blechdach, umgeben von Sand und Meer. Abgeschnitten von Telefonen und Befehlen warten die Männer. Tage vergehen. Kein Wort kommt aus Tokio. Der Strand wird zu einem seltsamen Spielplatz. Ryoji gräbt ein riesiges Loch in den Sand und füllt es wieder. Sie veranstalten Sumo-Wrestling-Kämpfe, schießen mit einer Waffe auf eine Dose und jagen einen Wasserball. Zum ersten Mal in ihrem Leben benehmen sich diese Männer wie Kinder. Eine einheimische Frau, Miyuki, kommt an den Strand. Sie ist blutig und schweigsam. Murakawa bietet ihr Essen und Unterkunft an. Sie bleibt. Sie sprechen kaum, aber eine stille Bindung entsteht zwischen ihnen.
Die Idylle ist zerbrechlich. Einer nach dem anderen schleicht sich davon, um die Stadt zu erkunden. Kitajima verschwindet. Dann findet Ryoji ihn tot, in einer Gasse erschossen. Die Gangster erkennen, dass das Festland-Syndikat sie jagt. Paranoia macht sich breit. Uechi schlägt vor, sich zu wehren, aber Murakawa zögert. Er scheint mehr daran interessiert, die Wellen zu beobachten. Der Wasserball wird schlaff. Das Loch im Sand füllt sich mit Wasser. Die Männer spielen russisches Roulette mit einem Revolver und lachen nervös. Murakawa sitzt mit Miyuki und sieht den Sonnenuntergang an. Er erzählt ihr, dass er früher von einem Mädchen in einem roten Kleid träumte, das am Strand spielte. Er weiß nicht, was der Traum bedeutet.
Die Vorräte werden knapp. Die Männer werden unruhig. Murakawa weiß, dass sie nicht für immer bleiben können. Die Welt außerhalb des Strandes schließt sich. Er trifft eine Entscheidung: Sie werden in die Stadt zurückkehren und sich ihren Verrätern stellen. Miyuki bittet darum, mitzukommen. Er lehnt ab. Sie sieht vom Strand aus zu, wie die Männer davonfahren. Das Auto verschwindet in den Hügeln.
Sonatine - Trailer
Kritischer Konsens
Sonatine ist ein meisterhafter Yakuza-Film, der brutale Gewalt mit surrealer, meditativer Schönheit verbindet. Takeshi Kitanos Regie ist sowohl minimalistisch als auch tief ausdrucksstark, während Joe Hisaishis eindringlicher Soundtrack die emotionale Wucht verstärkt. Eine einzigartige Mischung aus Gangster-Thriller und existenziellen Drama, bleibt es eines von Kitanos gefeiertsten Werken und ein Meilenstein des japanischen Kinos.
“Mr. Kitanos Stil ist so trocken, dass er zu einer Art Poesie wird. Die Gewalt ist plötzlich und schockierend, aber die ruhigen Momente sind noch eindringlicher.”
Janet Maslin
The New York Times
“Ein atemberaubend sicheres Stück Filmemachen, das schwarzen Humor, schockierende Gewalt und echte Zärtlichkeit zu gleichen Teilen mischt. Kitano ist ein großes Talent.”
Derek Elley
Variety
“Kitano schafft eine Welt, in der Gewalt so natürlich ist wie Atmen, und in der die einzige Flucht in den Wahnsinn oder den Tod führt. "Sonatine" ist ein Film von großer Schönheit und Traurigkeit.”
Roger Ebert
Chicago Sun-Times
“Ein Yakuza-Film, der zu einer Meditation über die Bedeutung von Leben und Tod wird. Kitanos trockener Humor und plötzliche Ausbrüche von Action erzeugen einen einzigartigen, hypnotischen Rhythmus.”
Jonathan Rosenbaum
Chicago Reader
“Kitanos Meisterwerk. Ein Film, der von den düsteren Realitäten des Gangsterlebens zur surrealen Ruhe eines Strandverstecks übergeht und eine traumähnliche Atmosphäre schafft, die lange nach dem Abspann nachklingt.”
Peter Bradshaw
The Guardian
Director
Takeshi Kitano
Writer
Takeshi Kitano
Composer
Joe Hisaishi
Cinematographer
Katsumi Yanagijima
Producers
Ritta Saito, Takio Yoshida, Hisao Nabeshima, Masayuki Mori
Cannes Film Festival (1994)
Goldene Palme: Nominated
Cannes Film Festival (1994)
Internationaler Kritikerpreis: Won
Japanese Academy Awards (1994)
Bester Film: Nominated
Blue Ribbon Awards (1994)
Bester Film: Won
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